Forschungslabor MHI

Wir möchten Ihnen hier einen kleinen Einblick in unsere Forschungsarbeit geben. MHI steht für Molekulare Hämostaseologie und Immundefizienz. Unser Team beschäftigt sich mit aktuellen Fragestellungen der Hämophilie. So versuchen wir zum Beispiel die Entstehung von Hemmkörpern gegen den Blutgerinnungsfaktor VIII besser zu verstehen, um diese von vorne herein zu verhindern oder in enger Kooperation mit den klinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen neue und bessere Behandlungsmethoden für unsere Patienten zu entwickeln. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit von Medizinern und Naturwissenschaftlern in unserer Arbeitsgruppe etabliert. Wir sind in mehreren internationalen Forschungsverbünden und Studien tätig, um unsere Ziele des besseren Verständnisses der Blutgerinnung und Immunologie und einer besseren und sicheren Therapie zu verwirklichen.


Hintergrund:

Faktor VIII (FVIII) ist ein Eiweiß (auch Protein genannt), welches für die Blutgerinnung notwendig ist. Patienten die an der Erbkrankheit Hämophilie A leiden, besitzen entweder weniger funktionelle Varianten des FVIII oder das FVIII Protein fehlt vollständig. Die grundlegende Therapie zur Behandlung der Patienten mit Hämophilie A besteht in der Verabreichung des fehlenden FVIII Proteins. Heutzutage liegt die größte Gefahr dieser Therapie in der Bildung von anti-FVIII Antikörpern, die die Funktion des verabreichten FVIII Proteins hemmen und deswegen auch Hemmkörper genannt werden. Darüber hinaus kann es in seltenen Fällen bei vorher gerinnungsgesunden Frauen und Männern zur spontanen Entstehung von Auto-Antikörpern gegen FVIII kommen - eine Erkrankung die als erworbene Hämophilie A bezeichnet wird. In beiden Fällen, angeborene Hämophilie A mit Hemmkörperbildung und erworbene Hämophilie A, spricht man von der Hemmkörperhämophilie. Die Hemmkörper können hauptsächlich bei der angeborenen Hämophilie mit Hemmkörpern durch die tägliche Verabreichung sehr hoher Konzentrationen an FVIII (auch Immuntoleranz-Therapie genannt) mit unterschiedlichem Erfolg beseitigt werden. Bei Patienten in denen diese Toleranzinduktion allerdings nicht gelingt, ist neben einer deutlichen Verminderung der Lebensqualität mit höheren Komplikationsraten zu rechnen.


Forschungstätigkeit:

Unser Forschungsteam, bestehend aus promovierten Medizinern und Naturwissenschaftlern, Doktoranden und technischen Assistenten, beschäftigt sich sowohl mit diagnostischen als auch therapeutischen Fragestellungen auf dem Gebiet der Hemmkörperhämophilie.

Neben generellen Fragen zum besseren Verständnis der Entstehung von Hemmkörpern steht die detaillierte Charakterisierung von Hemmkörpern im Mittelpunkt unserer diagnostischen Forschungstätigkeit, denen wir u.a. im europäischen Verbundprojekts ABIRISK (http://www.abirisk.eu/) nachgegen. Da die Hemmkörper an funktionelle Regionen des FVIII Proteins binden, ist vor allem die Identifizierung dieser Bindungsstellen (auch Epitope genannt) von großem klinischem Interesse. Daher analysieren wir diese Bindungsstellen in einer großen Anzahl von Hämophilie A Patienten im Rahmen von mehreren internationalen Studien, wie z.B. der International ITI Study (http://www.itistudy.com/) und der RESIST Study (http://www.itistudy-resist.com/). Diese Laboranalysen werden mit klinischen Verlaufsdaten verglichen, um eine Relevanz für den Verlauf der Therapie zu bestimmen. Sollte sich zeigen, dass die Lage der Bindungsstellen einen Einfluss auf die Immuntoleranz-Therapie hat, könnte durch die Kartierung dieser Bindungsstellen in Patienten mit Hemmkörpern in Zukunft eine individualisierte Immuntoleranz-Therapie durchgeführt werden. Darüber hinaus analysieren wir im Rahmen der oben genannten Studien inwieweit die Zusammensetzung der Hemmkörperpopulation einen Einfluss auf die Immuntoleranz-Therapie hat.

Langfristiges Ziel unserer therapeutisch ausgerichteten Forschung ist die Entwicklung einer neuartigen Immuntherapie zur dauerhaften Beseitigung der Hemmkörper und der Hemmkörper-produzierenden Zellen bzw. von deren Vorläufer-Zellen. Im ersten Schritt dieses Forschungsprojekts wurden bereits Antikörper gegen die Hemmkörper von Patienten (auch anti-Hemmkörper genannt) isoliert und charakterisiert. Aktuell werden die „anti-Hemmkörper“ auf ihren unmittelbaren therapeutischen Nutzen getestet. Die Neutralisierung bzw. Reduzierung von Hemmkörpern durch anti-Hemmkörper könnte z.B. im Vorfeld oder während einer klassischen Immuntoleranz-Therapie von Bedeutung sein. Bis zur Anwendung am Patienten (im Rahmen von klinischen Studien (LINK)) muss die Funktion und Wirkung der anti-Hemmkörper jedoch zuerst ausführlich unter vereinfachten Laborbedingungen (d.h. in vitro) und in verschiedenen Tiermodellen prä-klinisch getestet werden. Diese Forschungstätigkeit erfolgt unter anderem im Rahmen des CI3 Clusters (http://www.ci-3.de/), das sich auf die Entwicklung von neuartigen, individualisierten immunologischen Therapieoptionen zur Behandlung von u.a. Krebs-, Autoimmun- und Infektions-Erkrankungen konzentriert.

Neben den Forschungsschwerpunkten im Bereich der Hemmkörperhämophilie beschäftigen wir uns auch mit wissenschaftlichen Fragestellungen auf dem Gebiet anderer Gerinnungsstörungen (z.B. Hemmkörperentstehung bei Hämophilie B) und Autoimmunerkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis). Die Bearbeitung aller Forschungsprojekte erfolgt in enger Zusammenarbeit mit unserem Speziallabor für Gerinnungsstörungen (LINK), in dem u.a. die Bestimmung von Gerinnungsparametern und die Diagnostik von Hemmkörpern durchgeführt werden.


Interesse ?

Bereits in der Vergangenheit haben wir zu verschiedenen Anlässen, wie z.B. am Tag der offenen Tür und anderen Veranstaltungen, die Besichtigung unserer Forschungslabore angeboten. Auch in Zukunft wird es am Gerinnungszentrum der Kinderklinik Frankfurt wieder Veranstaltungen geben, bei denen wir Ihnen gerne Auskunft über den Stand unserer aktuellen Forschung geben und Ihnen einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.


Für interessierte Kolleginnen und Kollegen und Studenten:

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Wir bieten interessante Themen für naturwissenschaftliche und medizinische Doktorarbeiten an. Wir freuen uns insbesondere über die Kontaktaufnahme von klinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen, um gemeinsam klinisch relevante Fragestellungen zu bearbeiten.

Team

Dr. Dr. Christoph Königs

Laborleitung

Dr. Anja Schmidt (geb. Naumann)

stellvertretende Laborleitung, Postdoc

Diana Stichel

techn. Assistentin, Labormanagement

Aleksander Orlowski

leitender techn. Assistent

Karin Becker-Peters

techn. Assistentin

 

 

 

Medizinische Doktoranden:

N. Ungerer

V. Vuko

J. Otter

L. Golisch

D. Richter

J. Weber

M. Stein

J. Hartmann

M. Beilfuß

M. Braun

E. Kaya

F. Bachmann